Ein fulminanter Festivalstart
Stehen die Namen Florian Boesch und das Ensemble Franui auf dem Programmzettel, weiß der Besucher, dass ihn ein außergewöhnlicher Abend erwartet. Tosender Applaus nach einer Darbietung der Sonderklasse von Schuberts „Schöner Müllerin“ bei unserem diesjährigen Eröffnungskonzert in der Pfarrkirche. Sehr klug war die Entscheidung der Musiker, die ganz raschen Lieder aus dem Zyklus aus akustischen Gründen wegzulassen und durch hinreißende instrumentale Walzer Schuberts zu ersetzen. Die fesselnde Gestaltungskraft und sicht- und spürbare Freude am Erzählen musikalischer Geschichten von Florian Boesch war an diesem Abend wieder ein besonderes Ereignis und zeigte die große Klasse, die Florian Boesch im Genre „Lied“ einnimmt. Mit dem Sänger im Boot, die energiegeladene Kult Band Franui als musikalischen Partner, die mit ungeheurer Phantasie, Witz und auch viel Herz, zwischen Klezmer und Variet?, der Darbietung das nötige Gerüst verleihen.
Wie erwähnt, großer Jubel in der voll besetzten Pfarrkirche von St. Georgen
Am nächsten Tag gab es eine kleine Premiere: bei freiem Eintritt veranstaltete Attergau Kultur zum ersten Mal abseits der Nikolaus Harnoncourt Tage eine sogenannte Denkwerkstatt. Florian Boesch „philosophierte“ mit Markus Hinterhäuser – es war Hinterhäusers erster Auftritt auf einer Bühne nach dem Crash bei den Salzburger Festspielen - über den „Imaginationsraum Kunst“. Wie sich herausstellte nur auf den ersten Blick ein etwas sperriges Thema…zwei großartige Künstler, Markus Hinterhäuser als sensibler Pianist und Florian Boesch als einzigartiger Sängerdarsteller, führten ein Zwiegespräch über den Stellenwert eines Notentextes, was steht nicht in den Noten, was muss/kann man spüren, fühlen, wie weit darf/muss die künstlerische Freiheit eines Künstlers gehen.
Ein Satz von Markus Hinterhäuser, der sich bei mir persönlich, und vielleicht auch bei den zahlreich erschienenen Interessierten, am meisten eingeprägt hat: KUNST IST FORM UND FREIHEIT !
Markus Hinterhäuser spielte im Lauf seiner Pianist-Karriere viel zeitgenössische Musik. Der einzige Komponist, mit dem er je über Interpretation gesprochen hat, war Karlheinz Stockhausen. Das war jedoch die Ausnahme: Der ausübende Interpret braucht Freiheit, Freiräume für Gedanken zur Musik, Freiräume für Empfindungen und Ausdrucksmöglichkeiten.
Es waren die sehr persönlichen Gedanken zweier ausübender Künstlerpersönlichkeiten zu deren Herangehensweise zu einer Interpretation, die dieses Gespräch so spannend und einzigartig machten!
Am dritten Abend unseres Eröffnungswochenendes führte Karl Markovics, er zählt seit Jahren zu den regelmäßigen Fixstartern unseres Festivals, in die aufwühlende Welt der SEHNSUCHT und demonstrierte grandios das AUF und AB, das HIN und WEG dieser Gefühlswelten, die jedem von uns wohl bestens bekannt ist. Texte von Alfred Polgar, Peter Altenberg, James Joyes, Fernando. Pesoa u a. ließen uns in freudige, aussichtslose, verzweifelte, humorvolle Sehnsüchte eintauchen, bis uns der abschließende Text „Das Spiel ist aus“ von Ingeborg Bachmann auch etwas nachdenklich werden ließ…
Das Ensemble TANGO5 rund um die wunderbare Geigerin Sophie Heinrich servierte das Gesprochene mit Musik von Astor Piazzolla mal höchst virtuos, mal tief melancholisch. Musik, die keinen kalt lässt, Musik, die berührt, Musik, die in unsere Glieder fährt und zum Tanzen auffordert, die uns aber auch ganz still und nachdenklich zurücklässt.
Musik Piazzollas als perfekter Kontrapunkt zu unseren verschiedenen Sehnsuchts-Gedanken!
Ein hinreißender und großartiger Abend, der die Besucher des ausverkauften 4Kanters zu Jubelstürmen hinriss!
GROSSARTIGE KONTRAPUNKTE
Unser zweites Festival-Wochenende präsentierte unserem Publikum zwei Abende, die unterschiedlicher nicht sein konnten: PRO BRASS mit einzigartigem Brass-Sound in der Attergauhalle und KLAVIER-KAMMERMUSIK vom Feinsten in der Pfarrkirche.
Das Lied SMILE von Chalie Chaplin war der Namengeber des neuen Programms des 15köpfigen Ensembles. Mit hervorragend arrangierten Hits aus den letzten 4 Jahrzehnten wie „Dahaam“, oder „Ich hol vom Himmel dir die Sterne“ u.v.a. ging es durch einen äußerst vergnüglichen Abend. Aufgelockert durch Moderationen, die auch das Publikum zum Mitmachen aufforderten, übertrug sich der Anspruch des „Lächelns“ auf jeden einzelnen Besucher. Ein Abend als Paradebeispiel, wie Musik, präsentiert mit Witz, Charme und Tiefgang, es vermag, Menschen zu verzaubern, berühren und ganz einfach in gute Laune zu versetzen.
Voraussetzung dazu ist natürlich ein so ungemein geniales und charmantes Ensemble wie PRO BRASS, das sowohl zauberhaft feinen und weichen Sound aus den Instrumenten zaubert und bezüglich Virtuosität keine Schwierigkeiten zu kennen scheint.
Großer Jubel und Begeisterung!
Großartige Instrumentalisten rund um unseren Stammkünstler Benjamin Schmid waren mit Kammermusik vom Feinsten beim Konzert in der Pfarrkirche zu erleben: Mit Schumanns Fantasiestücken im Duo über das sehr selten gespielte Klavierquartett von Korngold bis zum populären Klavierquintett von Antonin Dvorak konnte das Publikum in pure Romantik eintauchen.
Dass sowohl unsere analoge als digitale Welt nicht immer perfekt funktioniert, demonstrierte genialer Beni Schmid, als sein Tablet plötzlich während des Korngold Klavierquintetts abstürzte, er sich völlig „entspannt“ erhob und beim zweiten Geiger den Notentext mitlas und so der gesamte 1. Satz ohne Unterbrechung gespielt wurde…dann erhob sich Matthias Bartolomey, ebenso entspannt, erklärte die Situation und überbrückte das neuerliche „Aufladen“ des Tablets mit charmanten Erklärungen zur Entstehung des Stücks…analog versus digital…besser hätte diese Situation nicht gelöst werden können. Bewundernswerte Leistung der Künstler!
Sollte sich jemand über den tollen schwarzen Lang-Arm-Handschuh der Pianistin Ariane Haering gewundert haben – sie legte ihn lässig über dem Klavier ab – Korngold schrieb das Werk im Auftrag Ludwig Wittgensteins nur für die linke Hand (nachzulesen in unserem Abendprogrammheft). Unglaublich, die dichten Klänge des Klavierparts NUR mit der linken Hand gespielt!!
Große Begeisterung gab es nach der fulminanten Darbietung von Dvoraks Klavierquintett nach der Pause, die wir auf vielfachen Wunsch wegen der Übertragung des WM-Endspiels eher kurzhielten. An so einem Tag muss es eben auch Platz für den Sport geben! Und es ist ja erwiesen, dass Sport und Musik Gemeinsamkeiten aufweisen!
Ein Wochenende der großen Emotionen
Geburtstagsglückwünsche für einen großen Künstler und Stammkünstler unseres Festivals! Mit Standing Ovationes bedankte sich ein begeistertes Publikum und gratulierte Rudolf Buchbinder zu seinem 80. Geburtstag, den er im Dezember, natürlich auch Klavier spielend, feiern wird.
Gleich vier Sonaten seines Leib und Magen Komponisten Beethoven, darunter die berühmte "Pathetique" und zum Abschluss die ungeheuer anspruchsvolle "Waldstein Sonate", standen auf dem Programm in der Pfarrkirche von Vöcklamarkt. Einhelliges Gesprächsthema schon in der Pause war die große Anerkennung und Staunen über Buchbinders Kraft, Energie, Ausstrahlung, schnelle Finger, Interpretation...ja, Rudolf Buchbinder ist ein ganz besonderer Künstler und wir freuen uns und sind stolz, ihn jedes Jahr bei uns zu haben. Jeder seiner Auftritte, sei es als Solist oder Kammermusiker, ist einzigartig und ein Erlebnis. Wir wünschen uns noch viele solcher Erlebnisse.
Alles Gute zum Geburtstag! Ad Multos Annos, lieber Rudolf Buchbinder!
Am Sonntag folgte ein, nicht nur für mich und meine Familie, sondern für jeden einzelnen Besucher, mit HOMMAGE FÜR FRANZ BARTOLOMEY ein Abend, der viele Emotionen und viele Erinnerungen auslöste.
Sohn Matthias widmet sein Programm, wie auch die im Vorjahr eingespielte CD, "Hommage" seinem Vater. Nach einer berührenden Moderation zu Beginn des Programms- "wir holen mit dieser Musik ein Stück Franz hierher zu uns in den Kirchenraum" erklangen nach Beethovens "Zaubertflöten-Variationen" mit Brahms e-moll- und Strauss' F Dur Sonate jene zwei Werke, die zur täglichen Klangkulisse des Junior im Elternhaus gehörten, da sie zum Kernrepertoire von Franz Bartolomey und somit zu seinem häufigen Üben zählten.
Vielleicht hatten viele von Ihnen noch den großartigen Cello-Ton meines Mannes im Ohr...Nun ist das Instrument von David Tecchler aus dem Jahr 1727 in die Hände von Matthias übergegangen - die junge Generation führt die gelebte Tradition fort energiegeladen, kraftvoll, ungestüm, wild...aber immer mit großem Respekt vor dem Erlebten und Gelerntem! So muss, so soll es sein!
Ich weiß nicht, wie es Ihnen, liebe Besucher, ergangen ist...? Für mich, als Ehefrau und Mutter, war es Abend voll großer Wehmut und Erinnerungen, aber ebenso voll großer Freude, Dankbarkeit und Stolz des soeben Gehörten und Erlebten.
Ich bitte um Verständnis um die sehr persönlichen Zeilen, in diesem Fall konnte ich nicht anders.
Weitere Höhepunkte
Tosender Applaus schon zur Pause, minutenlang Standing Ovationes am Ende von "15 Jahre Best of Ganes"!
Vor dem Bühnenbild mit rosaroten Berggipfeln der Südtiroler Dolomiten ist es ihr bedingungsloses "Echtsein", ihre große Heimatverbundenheit und Authentizität, die diese 4ergruppe so nah beim Publikum sein lässt.
Hohe Musikalität und großes Können sowohl als Sängerinnen als auch auf den jeweiligen Instrumenten fesselt! Sie können einfach alles: blitzsauber singen bis in die höchsten Höhen, spielen auf Hackbrett, Geige, Mandoline, Gitarre, Kontrabass...die 4 erzeugen einen Klangkosmos, der das Publikum völlig in seinen Bann zu ziehen vermag. Vom melancholischen Südtiroler Jodler zum schwungvoll groovigen und kreischenden Hexentanz, von unglaublich virtuosen Gitarren-Soli hin zum ins 21. Jahrhundert geholten einfachen Volkslied aus La Val, ihrem abgelegenen Heimatdorf in den Südtiroler Dolomiten.
Ganes macht Musik, die unter die Haut geht! Sie singen in ladinischer Sprache und jeder versteht, worum es in ihrer Musik geht. Einfach großartig!
versteht, worum es in ihrer Musik geht. Einfach großartig! Nicht weniger emotional ging es bei unserem nächsten Abend in der Attergauhalle zu, bis es zum berühmten Eifersuchtsmord in CARMEN kam.
Charmant und sehr verführerisch führte Schauspielstar Jürgen Maurer durch die Geschichte und scheute sich auch nicht, seine Gesangskünste unter Beweis zu stellen, als er in die Baritonrolle des unwiderstehlichen Toreros Escamillo schlüpfte.
Im großartigen und ganz auf die wesentlichen Szenen der Oper beschränkten Arrangement von Tscho Theissing bildeten die Musiker Sebastian Gürtler, Georg Breinschmid und Tommaso Huber das musikalische Gerüst für die beiden grandiosen Hauptprotagonisten Carmen und Don Jose. Große Oper bei uns in der Attergauhalle: Liebe, Eifersucht, Verführung, Mord.
Das Stück erlebte vor einigen Jahren in dieser "Fassung" zahlreiche Aufführungen in der Wiener Kammeroper und geht seither auf "Tour". Somit können auch kleinere Festivals, die nicht über eine große Theaterbühne verfügen, diese populäre Oper anbieten. Vielleicht findet dadurch auch der eine oder andere Besucher den Weg in ein "echtes" Opernhaus...
GROSSE KLASSIK
In unseren nächsten beiden Konzerten dominierte die große Klassik.
In der Pfarrkirche von Vöcklamarkt gastierte bereits zum dritten Mal das Kammerorchester Allegro Vivo unter der Leitung von Vahid Khadem-Missagh. Eine Gruppe junger Musiker und Musikerinnen, die mit jugendlichem Elan und Dynamik und vor allem großem Können die Zuhörer in ihren Bann ziehen. Neben Respighi Tänzen begeisterten sie mit Tschaikowskys emotionalen „Souvenir de Florence“ in der großen Streicherbesetzung. Als besonderes Zuckerl servierte die Gruppe diie Zugabe Georg Breinschmids geniale Komposition „Wien bleibt Krk“, wo Vahid selbst zur Geige griff.
Den Mittelteil des Programms bildete Haydns D-Dur Cellokonzert, das wegen seines hohen Schwierigkeitsgrades nicht sehr oft gespielt wird. Bravourös, klangschön und technisch brillant interpretiert von Matthias Bartolomey – besonders herausstechend und imponierend die Kadenzen, die echte „Bartolomey’sche“ kompositorische Handschrift trugen. Tosender Applaus nach der Zugabe der Eigenkomposition „Fernambuk“.
In der Pfarrkirche von St. Georgen ging es weiter mit Schubert und Mendelssohn, zwei Gipfelwerken der klassischen Klavier-Trio Literatur.
Der philharmonische Konzertmeister Volkhard Steude, mit der Pianistin Jasminka Stancul einer der Stammkünstler unseres Kultursommers, versprühte gemeinsam mit seinem Kollegen Peter Somodari enorme Lust und Spielfreude. Drei Künstler, die die DNA dieser Werke längst in Ihren Körpern bzw. Fingern haben, denen es aber immer wieder gelingt, mit diesen Werken das Publikum neu zu faszinieren und begeistern.
Sei es die große Klangfülle und immer wiederkehrende Melancholie bei Schubert, als auch die Fröhlichkeit und Virtuosität bei Mendelssohn, die 3 Künstler sind in dieser Musik ganz einfach zuhause. So soll Schubert, so soll Mendelssohn klingen!
Große Begeisterung nach einer sehr charmant für Klaviertrio arrangierten Zugabe des dritten Moments Musicaux von Franz Schubert.