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"Musik ist unsere Nabelschnur zum Göttlichen."

Mehr als 40 Jahre war St. Georgen im Attergau für Nikolaus Harnoncourt Zuhause und Rückzugsort, der Platz, der ihm jene Atmosphäre geboten hat, die er für seine Arbeit benötigte. Ein Leben in einer Dorfgemeinschaft als kraftschöpfende Inspirationsquelle.
Mit großer Trauer musste die Musikwelt am 5. März 2016 den Tod dieser wohl prägendsten Figur der klassischen Musikszene unserer Zeit zur Kenntnis nehmen. Familie, engste Freunde und Musiker nahmen gemeinsam mit der Bevölkerung von St. Georgen in einem berührenden und würdigen Requiem in der Pfarrkirche St. Georgen mit anschließender Beisetzung auf dem Ortsfriedhof Abschied.

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Sein Leben hatte er dem Kampf gegen das Beiläufige und Beliebige gewidmet. Die Musik, die Natur und den Menschen begriff er als Teile einer Schöpfung, die größer ist als alle irdische Vernunft. Nikolaus Harnoncourts Leben und Kunst speiste sich aus mehreren Kraftquellen. Eine davon war seine Leidenschaft für das Holz („In einer anderen Zeit wäre ich wahrscheinlich Schreiner geworden“). Seine in seinem Haus eingerichtete Werkstatt zeugt von höchster Professionalität und Besucher konnten Holzstühle, fertige wie unfertige, mit filigranem, hingebungsvoll ziseliertem Schnitzwerk in den Lehnen bestaunen.
Besonders groß war seine Verbundenheit mit der Natur. Nicht zufällig wurde das Salzkammergut als Lebensmittelpunkt gewählt. Noch bis ins achte Lebensjahrzehnt wanderte er gern und regelmäßig. Früher mit der Familie von Quelle zu Quelle (Wasser mitnehmen war tabu), lange Spaziergänge durch die Wälder und auf die Gipfel wurden zu wichtigen Kraftquellen in Harnoncourts Leben. Nur wer die Natur schauen und erfühlen kann, wer das Erhabene und Bescheidene, das Einfache und die Melancholie dieser heimischen Landstriche förmlich eingeatmet hat, der begreift, wie das Trio eines Symphonie-Scherzos oder der Dreiertakt einer Arie genommen werden muss. Das war Harnoncourt’s feste Überzeugung! Und damit, so paradox es aufs Erste klingen mag, brachte Nikolaus Harnoncourt das Volkstum in die Klassik.
Der große Visionär, der neben seinem von ihm und seiner Frau Alice gegründeten Concentus Musicus Wien die berühmtesten Orchester wie das Concertgebouworkest Amsterdam, die Berliner und Wiener Philharmoniker in den größten Konzertsälen der Welt dirigiert hat, war auch Träger weltweit höchster Auszeichnungen und Autor vielbeachteter Bücher, die in über 20 Sprachen übersetzt wurden. Er ist aber stets ein Mensch mit einer ungefilterten Geradlinigkeit gewesen und dem einfachen und bescheidenen Leben treu geblieben.
Der „denkbar geistvollste Herz- und Seelenöffner für die Musik" - seine Flamme, die Musiker wie Veranstalter, Journalisten wie Zuhörer durch ihn erfahren haben, hat die Musikwelt verändert und den Geschmack einer ganzen Hörergemeinschaft mitgeformt. Sein Vermächtnis wird auch in die die Zukunft strahlen.
Ich freue mich als künstlerische Leiterin des Attergauer Kultursommers zusätzlich zum sommerlichen Festivalprogramm die „Internationalen Nikolaus Harnoncourt Tage“ ins Leben gerufen zu haben. Dabei werden Musiker und Wegbegleiter von Nikolaus Harnoncourt, die mit ihm gearbeitet und deren Weg er entscheidend geprägt hat, unter dem Ehrenschutz von Frau Alice Harnoncourt in Konzerten, Künstlergesprächen und Workshops dessen Musizierstil und Gedankengut weiterleben lassen.

Mechthild Bartolomey

  Künstlerische Leitung Attergauer Kultursommer

Kulturkreis Attergau
Attergaustraße 31
4880 St.Georgen im Attergau
AUSTRIA
Tel: 07667 / 8672
E-Mail: info@harnoncourttage.at

Information und Kartenverkauf
Mo.–Fr. von 09:00-12:00 Uhr (ab 13. März 2017)
An Veranstaltungstagen 09-12:00 Uhr, 15:00-17:00 Uhr
1 Stunde vor Veranstaltungsbeginn an der Abendkassa des Veranstaltungsortes.