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Worte Mag. Dr. Franz Harnoncourt

 „...und lässt uns als Veränderte zurück...“
diesen Anspruch an die Kunst und Ihre Interpreten hat mein Vater an sich und uns gestellt, und dieses Vermächtnis klingt, ebenso wie sein Wirken, bis heute in uns nach.Die Kunst als radikalen Gegenentwurf zur reinen Logik und der alles dominierenden Kosten-Nutzen Rechnung, die Kunst als Sprache des Herzens (raison du coer nach B.Pascal), aufwühlend, aufrührend, mit und zu uns sprechend, das war die Essenz seines Schaffens.
Nicht süße Marmelade auf dem harten Brot des Alltags, nicht hübsches Beiwerk, sondern zentrale Bedeutung - eben die Nabelschnur, die uns mit dem Göttlichen verbindet, das war der Anspruch, der zugleich Auftrag ist und in jedem Takt - bis heute - zu spüren und zu hören ist.
So sollen diese Nikolaus Harnoncourt Tage auch nicht verklärtes Gedenken an einen großen Musiker, nicht reflektieren über einen Universalgelehrten ungeahnten Ausmaßes sein, sondern Ort einer Auseinandersetzung mit dem Wesentlichen - mit uns, den Menschen und unseren Abgründen und Möglichkeiten, mit dem Göttlichen ebenso wie dem Diabolischen.
Dieser Ansatz ist gerade heute wohl aktueller denn je, nicht einer „Entweder-oder“-Logik oder oberflächlicher Effekthascherei folgend, sondern dem Ringen um die Frage nach der, nicht nur künstlerischen, Wahrheit verpflichtet, kompromisslos menschlich…
Der Mut Neues zu denken und zu tun, die Demut den zeitlosen, ewig gültigen Aussagen des Künstlers/Komponisten nachzuforschen um sie uns heutigen Menschen nahezubringen, das war das Lebenswerk meines Vaters und ist Auftrag und Ermunterung an alle, die sich an die unerschöpflichen Kunstwerke des Gestern und Heute heranwagen...
Wenn diese Tage dazu beitragen, diese Radikalität, diesen Mut und dieses Feuer wach zu halten und weiter zu reichen, und nicht im Gedenken zu verweilen, dann sind sie wohl im Geiste unseres Vaters, und dann sind sie im Sinne der Familie.

Unser Dank gilt Mechthild Bartolomey, die diesen Auftrag mutig umzusetzen trachtet und dabei auf Weggefährten, Mitstreiter und Schüler meines Vaters zugreift.
Er gilt dem Land OÖ und seinem Landeshauptmann, die diesen Auftrag aufgreifen und unterstützen.
Und er gilt der Marktgemeinde St. Georgen, ihrem Bürgermeister und ihren Bewohnern, die unserer Familie Heimat und Freundschaft gegeben haben, und dies mit uns auch in die Zukunft tragen wollen.
Mein Dank gilt aber auch Ihnen, seinem/unserem Publikum, dieser mutigen Entdeckergemeinschaft, die sich entflammen und berühren hat lassen und auch weiter lassen wird um „... als Veränderte zurückzubleiben und vorwärts zu schreiten.“

Herzlich
Franz Harnoncourt